Ein Plädoyer für globale Solidarität

Mamadou Mbodji, Präsident des „African NatureFriends Networks“ und Vizepräsident der Naturfreunde International, stellte am 02.10.19 im Dorfgemeinschaftshaus in Kohlstetten die Perspektive der Länder Afrikas auf die Klimakrise vor. Er plädierte für eine enge globale Zusammenarbeit bei der Lösung dieser existenziellen Krise.

Organisiert wurde die Veranstaltung durch drei Kooperationspartner – die NaturFreunde (Fachbereich NaturFreunde global), den Kreisvorstand des Kreisverbands Reutlingen von Bündnis 90/ Die Grünen und die Offene Grüne Liste Engstingen. Stellvertretend für den grünen Kreisvorstand begrüßte Timo Heimberger die etwa 40 erschienenen Gäste und führte in das Thema ein, indem er die Verantwortung der Industrieländer bei der Bewältigung der existenziellen ökologischen Krise betonte. Uschi Bös-Walter äußerte im Namen des Fachbereichs „NaturFreunde global“ ihre Dankbarkeit, mit Mamadou Mbodji einen prominenten Referenten gewonnen zu haben, der die Zusammenhänge zwischen globalem Norden und globalem Süden aus verschiedenen Perspektiven beleuchten könne. Sie stellte außerdem ein Projekt vor, das das Frauennetzwerk in Bekhar (bei Saint Louis im Senegal) in Kooperation mit den NaturFreunden Senegals und den NaturFreunden Rastatt verwirklicht haben: Dort wurde ein Betreuungsangebot geschaffen für die Kinder von Frauen, die im Salzabbau beschäftigt sind. Auch ein Ausbildungszentrum wurde vor Ort errichtet um Frauen durch Bildung eine bessere Perspektive zu ermöglichen.

Mbodji eröffnete seinen Vortrag, der vom grünen Kreistagsmitglied David Allison vom Englischen ins Deutsche übersetzt wurde, mit der Feststellung, dass „wir derzeit eine existenzielle Krise erleben“. Die Klimakrise betreffe alle Menschen, unabhängig davon, ob sie in Entwicklungsländern lebten oder in Industrieländern. Und doch unterscheide sich, zumindest kurzfristig, das Bedrohungspotenzial. Er benannte drei Wirtschaftsbereiche, die in Afrika besondere Bedeutung hätten und durch die Klimakrise in besonderer Weise gefährdet seien: Die Fischerei sei für viele Bewohner Afrikas lebensnotwendig. Internationale Fangflotten hätten einen massiven Rückgang der Bestände bewirkt. Auch Binnengewässer wie der Tschadsee seien gefährdet. Der See habe in den letzten Jahrzehnten, auch aufgrund der Erderwärmung und einer nicht-nachhaltigen landwirtschaftlichen Nutzung, 90% seiner Fläche eingebüßt. Auch die Landwirtschaft, von der 70% der Menschen Afrikas abhängig seien, gerate unter Druck. Andere Staaten und transnationale Konzerne kauften in den letzten Jahren große, fruchtbare landwirtschaftliche Flächen auf und entzogen sie so der Nutzung durch die einheimische Bevölkerung. Zudem seien die meisten Farmer, die für den Eigenbedarf anbauten, von Regen abhängig, der immer öfter ausbleibe oder als Starkregen Schäden verursache. Durch eine Bearbeitung der Böden mit Chemikalien, die kurzfristig die Ernten verbessern sollen, verschlechtere sich langfristig die Bodenqualität. Diese Entwicklungen gefährden die Ernährungssicherheit großer Teile der afrikanischen Bevölkerung.

„Bleiben heißt sterben.“ – Mbodji erklärte, wie der Migrationsprozess ablaufe: Am Beginn stehe Migration in die Städte. Dort seien die Zustände mitunter schlimmer als auf dem Land. Deshalb suchten die Menschen im Nachbarland nach einer besseren Perspektive. Auch dort sei die Situation aber in der Regel auch nicht anders, weil viele Länder Afrikas dieselben Probleme haben. So wirke für viele Menschen schließlich Europa als letzte Hoffnung, wobei nur ein Bruchteil der Menschen, die in Afrika auf der Flucht sind, versucht nach Europa zu gelangen. Die Klimakrise sei aber letztlich „in immer stärkerem Maße eine Ursache für Migration“.

Deshalb sei es enorm wichtig, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Dabei hätten die Industrieländer eine größere Verantwortung, da sie in der Vergangenheit und in der Gegenwart einen Ausstoß hatten und haben, der ein Vielfaches über ein faires Niveau hinausgeht. Letztlich gehe es um Klimagerechtigkeit. Die könne nur verwirklicht werden über globale Solidarität in Form von Wissenstransfers (z.B. nachhaltige Technologien) und Hilfe bei Anpassungen an die klimatischen Veränderungen. Ohne diese Unterstützung seien viele Menschen Afrikas den Folgen der Klimakrise schutzlos ausgeliefert und zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen.

Mbodji schloss mit einem Appell: „Die wissenschaftliche Situation ist klar. Die Lösungen liegen auf dem Tisch. Es ist an der Zeit zu handeln, denn ansonsten wird es bald zu spät sein.“ Es gelte in Entwicklungsländern massiv in Bildung zu investieren und über zivilgesellschaftlichen Druck in Entwicklungs- und Industrieländern die Macht der internationalen Lobby der fossilen Energieträger zu brechen.

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